1.Klasse oder

Viel wichtiger als die Frage nach der Klasse ist die Frage, wo man schlafen möchte. Ausgehend von meinen fast 10.000 Kilometer Zugerfahrung in den unterschiedlichsten Zügen und unterschiedlichsten Klassen zwischen Moskwa und Kavkas kann ich nur eins sagen:

NIEMALS die oberen Betten !!! Der Freiraum zwischen Bettoberkante und Deckenunterkante ist so gering bemessen, dass ein Sitzen auf dem Bett nicht möglich ist. Man hat da oben nur die Wahl zwischen gebückter Haltung und liegen. Da eine andauernde Verkrümmung der Wirbelsäule nicht wirklich prickelnd ist, zudem der an die Decke stoßende Kopf nur einen Blick nach unten zulässt (weil man sonst den Rücken noch weiter krümmen muss um dem Kopf einen Blick nach vorne ermöglichen zu können), andererseits 32 Stunden und mehr Zugfahrt in liegender Position nur scheinbar Erholung darstellen, sollte man niemals eins der oberen Betten nehmen. Wie wenig Platz einem zur Verfügung stehen, wenn man eins der oberen Betten gewählt hat, lässt sich hier ganz deutlich zeigen:

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DAS ist der Raum, der einem während der ganzen u.U. mehrtägigen Fahrt nur zur Verfügung steht: nicht wirklich empfehlenswert !!

Nicht zu vergessen die Probleme die auftauchen, wenn man nachts mal ein gewisses Örtchen aufsuchen muss. Unabhängig davon, dass diese Örtlichkeiten zu der Art von Örtlichkeiten gehören, die neben einem unvergesslichen Eindruck auch höchst feuchte Pantoffeln hinterlassen, so erfordert das Erklimmen des oberen Bettes gewisse athletische Fähigkeiten, die nicht jedem Mitreisendem gegeben sind. Insbesondere dann nicht, wenn vorher durch den Konsum von mehreren Flaschen Wodka das sich im gekrümmten Rücken schnell einstellende Schmerzgefühl betäubt wurde. Die normalerweise durchaus großzügig vorhandene Hilfsbereitschaft in Russland erfährt in solchen Momenten eine Umkehrung, und es wird sich niemand finden, der einem um 3 Uhr nachts nach oben in sein Bett hilft:

Während die unteren Betten meist schnell ausgebucht sind, finden sich bis zur Abfahrt des Zuges meist immer noch leere Betten im oberen Bereich. Das dürfte wohl seinen Grund haben, obwohl die oberen Betten allgemein erheblich günstiger sind als die unteren. Man kann übrigens diejenigen, denen das Schicksal nur einen oberen Bettplatz ermöglichte, leicht daran erkennen, dass sie den ganzen lieben langen Tag im Zug hin und her wandern.

Womit wir zu den einzelnen Wagenklassen kommen. Es gibt in den Fernreisezügen drei Abteil-Klassen:

>  1.Klasse:

Abteil mit zwei Betten, weswegen sich da das Problem mit einem oberen Bett nicht stellt. Die 1.Klasse ist ideal, wenn man unter sich bleiben möchte. Jedoch verschließt sich einem dadurch das wirklich herrliche Erlebnis, andere Menschen, vielleicht sogar den halben Zug kennen zu lernen.

>  2. Klasse:

Abteil mit vier Betten (jeweils zwei übereinander). Mit ein wenig Glück hat man ein ganzes 2.Klasse-Abteil für sich alleine, da die oberen Betten im 2.Klasse-Abteil immer noch teurer sind als untere Betten im der “Platzkard”, und aus den oben beschriebenen Gründen ein unteres Bett immer einem oberen vorgezogen wird. Auch wenn sich dieses in einer höheren Klasse befindet.

Abteil 2. Klasse:

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>  “Platzkart”

Für die “Platzkard” (es wird tatsächlich für diese Wagonklasse eine Abwandlung des deutschen Wortes “Platzkarte” benutzt) gibt es bei deutschen Zügen kein Gegenstück. Vom inneren Aufbau her ähneln sie etwas den hiesigen früheren Liegewagen. Wie auch immer, nicht Worte, sondern nur Photos vermögen zu beschreiben, wie es in der “Platzkart” aussieht:

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“Platzkart”-Waggon: linke 2er-Plätze in Sitzposition

Rechts neben dem Gang zum Gang hin vollständig offene 4-Bett Bereiche, jeweils 2 Betten unten und oben gegenüber liegend. Links neben dem Gang und längs zur Fahrtrichtung 2er-Sitz- und Liegeplätze. Unten mit einem Tisch, der zum Mittelteil des unteren Betts umgeklappt werden kann. Sollte ein in so einer 2er-Kombination oben liegender Fahrgast der irrigen und grenzenlos naiven Meinung unterliegen, dass man doch tagsüber den Tisch hochklappen könne, so wird ihm schnell klar gemacht, dass er das vergessen kann. Am ersten abend funktioniert das noch eine kleine Weile, da von den Zugbegleiterinnen die Bettwäsche erst relativ spät ausgegeben wird, man deshalb auch erst relativ spät sein Bett vorbereiten kann. Aber wenn einmal die Bettwäsche liegt, dann bleibt sie da auch für die gesamte Fahrzeit. Egal wie viele tage die Fahrt dauert, und egal, welche Tageszeit es gerade ist.

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“Platzkart”-Waggon: linke 2er-Plätze in Liegeposition

Aufgrund des etwas in den Wagon versetzten Gang sind die Betten in den 4er-Bereichen der “Platzkart”-Abteile relativ kurz. Weswegen nachts sämtliche Füße frei in den Gang hinein reichen. Über den dabei entstehenden und durch den gesamten Wagon ziehenden Duft erlaube ich mir den Mantel des Schweigens zu hüllen.

Eine Fülle weitere Photos über die Innenausstattung von russischen Zügen findet sich auf folgender Webpage, der auch die nachfolgenden Photos entnommen sind:

www.photo.qip.ru/users/0070026/150975951/all/?mode=xlarge

www.photo.qip.ru/users/0070026/150975951/all/?mode=xlarge

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Wenn diese kleine Beschreibung russischer Abteile euch geholfen hat, sich für etwas passendes zu entscheiden, gilt es jetzt heraus zu finden, wann und mit welchem Zug man fahren möchte:

 

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