Am Bahnhof

Zugreisen von Moskau in den Süden des Landes, sei es Richtung Kaukasus, aber auch nach Wolgograd oder Almati, können in unterschiedlichen Bahnhöfen beginnen: Pawelezki Woksal, einem im Jahr 1900 eröffneten Kopfbahnhof, Kursker Bahnhof, 1896 eröffnet und in den 1970ern abgerissen und völlig modern wieder aufgebaut, sowie der 1940 eröffnete Kazaner Bahnhof:

http://paveletsky.dzvr.ru/
Pawelezki Voksal (Pawelezki Bahnhof)
Endstation des
Aeroexpress zum Flughafen Domodedovo.

http://kursky.dzvr.ru/
Kursker Bahnhof

http://kazansky.dzvr.ru/
Kazaner Bahnhof

 

Bevor man sich auf den Weg zum Bahnhof macht, sollte eine Dreiteilung des Gepäcks vorgenommen werden:

    1.: Koffer und/oder Tasche(n) mit dem Hauptreisegepäck, welches während der Fahrt definitiv nicht benötigt wird. Dafür gibt es unter den Liege-/Sitzbänken extra dafür vorgesehene Stauräume. Man macht sich nicht unbedingt Freunde, wenn man jemanden, der da gerade auf der Liege darüber ein gemütliches Nickerchen macht, von selbiger wegscheucht, nur weil man unbedingt einen Pullover oder die Zahnbürste da raus holen will.

    2.: Sämtliche Reiseutensilien, die man für oder während der Fahrt braucht, kommen in eine separate und möglichst kleinere Tasche: Wäsche zum Wechseln, Schlaf-/Trainingsanzug, Kosmetik und Waschutensilien, Pantoffeln (Hausschuhe), Handtuch, “Zeitvertreiber” (Bücher, Gameboy etc.), Toilettenpapier (!!!!).

    3.:  Tasche mit Verpflegung

Wenn man etwas genauer hinschaut, dann kann man auf dem nächsten Photo bei dem Reisegepäck der dort Wartenden genau diese Dreiteilung erkennen:

www.stawropol.de

Auf die letzte Minute am Bahnhof anzukommen um damit Business zu heucheln mag im Nahverkehr vorkommen, wer mit einen Fernreisezug fahren möchte und sowieso mehrere Tage unterwegs ist nimmt sich Zeit, und ist allgemein so eine Stunde vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof. Die braucht man auch, um all die wichtigen Dinge zu erledigen, die vor Abfahrt noch zu erledigen sind. Dazu zählt vor allem, dass kaum jemand alleine am Bahnsteig steht und auf seinen Zug wartet: Die halbe Familie, Verwandtschaft oder Freundeskreis ist mitgekommen, um ihn oder sie zu verabschieden. Das kann von der Menge her manchmal durchaus an alte Zeiten erinnern, wo man Ozeandampfer verabschiedete und am Kai etliche Hunderte standen und winkten. Und da man sich in Russland nicht mal eben auf die Schnelle verabschiedet, nimmt man sich dafür ausgiebig Zeit. Schließlich müssen noch zahlreiche gute Tips und Empfehlungen ausgetauscht werden, auch bekommt man noch das eine oder andere zum Futtern oder Trinken für unterwegs zugesteckt. Womit wir zu einem wichtigen (und separaten) Thema kommen, was sowohl vor, wie auch während der Fahrt von wesentlicher Bedeutung ist:

Für die Rückfahrt hat man meist schon die Möglichkeit gehabt, ausgiebige Essensvorräte vorbereiten und einpacken zu können. Kommt man dagegen direkt vom Flughafen und will mit dem Zug weiter fahren, besteht diese Möglichkeit nicht. Was aber kein Problem darstellt: vor dem Bahnhof gibt es zahlreiche Imbisbuden, wo alles mögliche an russischen Leckereien angeboten wird: mit Käse, Kartofffeln oder Fleisch gefüllte Teigtaschen, gepöckelte Hühnchen, süsses Gebäck, was auch immer. Auch wenn man für die eigentliche Fahrt nichts mehr an Verpflegung einzupacken braucht, so bietet es sich doch an, da vor Fahrtantritt nochmal kräftig was zu futtern und zu trinken. Natürlich kann man sich auch im Bahnhofsgebäude selbst in einem der Cafés hinsetzen und dort was essen oder trinken. Und alles zusammen mit all den Freunden und Verwandten, die einen zum Bahnhof begleiten und alle möglichen Abschiedsphotos schießen:

Das ein Zug schon weit über eine Stunde vor Abfahrt auf dem Bahnsteig bereit gestellt wird, kommt durchaus vor. Einsteigen ist aber erst möglich, wenn die zu jedem Wagon abgestellten Zugschaffnerinnen diesen auch zum Betreten freigeben und mit der Fahrkartenkontrolle anfangen. Womit auch, ganz wichtig (!!!), der letzte Moment gekommen ist, nochmal schnell innerhalb des Bahnhofs eine Toilette aufzusuchen, da die im Zug befindlichen Toiletten bis zum endgültigen Verlassen des Moskauer Stadtgebietes verschlossen sind. Was ohne weiteres eine Stunde und mehr dauern kann.

Endlich kommt der Moment, wo man sich selber in die Schlange einreiht, geduldig die Prozedur der Fahrkarten- und Ausweiskontrolle über sich ergehen lässt, und dann innerhalb des Wagons sein Abteil und seinen Sitz- und Schlafplatz für die nächsten Tage und Nächte aufsucht. Interessant ist, dass die Fahrgäste eine umfangreiche Kontrolle über sich ergehen lassen müssen, Freunde und Bekannte aber durchaus mit in den Zug dürfen, um einem beim Tragen des Gepäcks zu helfen.

Und endlich sitzt man drin, hat alles da verstaut wo man es hin haben möchte, und wartet auf die Abfahrt des Zuges. Die übrigens ohne Vorankündigung kommt. Also keine Durchsage über Lautsprecher, kein Signalpfeifen von den Zugschaffnerinnen, nichts. Weswegen alle Freunde, die einem beim Tragen des Gepäcks geholfen haben und sich ggf. noch im Zug befinden tunlichst beraten sind sofort den Zug zu verlassen, wenn draußen auch bei noch geöffneter Tür keine Zugschaffnerinnen mehr sichtbar sind. Russische Züge fahren gemütlich, aber manchmal auch etwas vor der planmäßigen Abfahrtszeit ab wenn sich laut Fahrgastliste sämtliche Fahrgäste eingefunden haben.

All das hat ausgesprochen hungrig gemacht, womit wir beim nächsten Thema sind, der Verpflegung während so einer langen Zugfahrt:

 

Copyright sämtliche Photos, soweit nicht anders angegeben:
www.stawropol.de