Bäcker & Konditor

Wenn etwas ganz gewaltig täuscht, dann ist es ein Bild wie folgendes:

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Denn wenn es etwas in Russland nicht gibt, dann sind es Bäckereien im Sinne unserer Bäckereien, wo man schon frühmorgens vom Bäcker selbst gemachte frisch gebackene Brötchen und frisches Brot erhält, oder Konditioreien mit frisch gebackenem Kuchen oder anderen Backwaren.

In dem Zusammenhang vorab ein wichtiger Hinweis:

Es gehört zur russischen Philosophie, dass Brot nicht weggeschmissen wird, auch wenn es schon trocken oder umgekehrt “latschig” wird. Brot wegzuschmeissen wird als Sünde angesehen. Bevor man “frische” Brötchen kauft, werden die alten aufbewahrt und verzehrt, egal wie trocken sie mittlerweile sind. 

Man bekommt bei dem oben abgebildeten Konditor natürlich diverse Backwaren, aber es ist ausschließlich verpackte Industrieware. Sowohl bei Kuchen, wie auch beim Brot. Ausgestellte nicht verpackte Waren wurden vom Geschäftsinhaber vorher einfach nur entpackt.

Brot:

Die Auswahl ist äußerst marginal, es gibt ausschließlich nur Weißbrot auf Weizenmehlbasis in unterschiedlichen Formen (bei fast identischem Geschmack). Völlig unbekannt sind dunkle Brote auf Roggenmehlbasis, Sauerteigbrote, Körnerbrot oder Schwarzbrot.

http://www.backwelt.de/backen-in-russland/articles/globus-moskau---bilderstrecke.html

Die auf dem obigem Photo im unteren Regal abgebildeten in Tüten verpackten Brötchen (“Bulitschka”) haben vielleicht außer der Form mit unseren Brötchen nichts gemein und sind, schon bedingt durch die Verpackung, sehr weich. Man könnte sie eher als Basis für einen Hamburger benutzen. 

Neben dem oben abgebildeten weißbrot in “Normalform” gibt es noch Kasten-Weißbrot, ähnlich unserem Toastbrot:

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Wer sich aus was für Gründen auch immer für längere Zeit in Russland aufhält und Sehnsucht nach Abwechslung beim Brot hat, insbesondere dunklem Brot, wird in Städten fündig, wo sich ein Metro-Markt befindet. Ist zwar dann auch nur abgepackte Industrieware, aber selbst die ist geschmacklich noch positiv weit von russischem Brot entfernt. Allerdings muss man mit exorbitanten Preisen rechnen, die durchaus drei- bis viemal so hoch sein können wie hierzulande.

Kuchen:

Auch hier gilt: Es gibt in den Konditoreien ausschließlich nur Industrieware, häufig sogar noch verpackt. Wobei das mit dem verpackt seinen tieferen Sinn hat, denn beim Kauf von Kuchen gilt die Regel: Entweder die ganze Torte oder nichts. Sich von mehreren unterschiedlichen Torten eine Auswahl aus mehreren Tortenstücken zusammen stellen zu lassen ist völlig unbekannt.

Sämtliche Torten basieren ausschließlich nur auf Buttercremé-Basis. Sahnetorten sind völlig unbekannt, wie auch Hefekuchen. Ebenso unbekannt ist jede Art von Rührteig-Kuchen, wie z.B. unsere Mamor- oder Nusskuchen. Wenn Obstkuchen angeboten wird, dann meist in Torten auf Blätterteigbasis.

Allen Torten ist gemein, dass sie in allen möglichen Farben schillern, wobei grelles Blau und Rosa bevorzugt werden:

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Diese grelle Farbpalette führt dann manchmal zu interessanten Diskussionen zwischen Einheimischen und Ausländern:

Viele Russen lehnen unsere industriell produzierten Gemüse- oder Obstkonserven ab mit der Begründung, sie wären voller Chemie. Umgekehrt lehne ich in Russland den Kauf oder Verzehr bunt schillender Torten mit der Begründung ab, derartige Farben können nur durch massive Verwendung von chemischer Lebensmittelfarbe produziert werden. Was dann jedesmal verwirrt-schockierte Blicke hervor ruft, insbesondere bei denen, die vorher unsere Lebensmittel in Bezug auf enthaltene Chemie kritisierten.

Völlig anders sieht dies natürlich bei selbstgemachtem Kuchen aus. Mit Ausnahme von Hefekuchen (augenscheinlich wirklich völlig unbekannt) ist alles vertreten was das Herz begehrt und was lecker ist:

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Ein selbstgemachter Käse-Erdbeer-Rührteigkuchen
den man in dieser Art von Zusammenstellung so nie in einer russischen Konditorei erhält.

 

Übrigens, was es in Russland auch nicht gibt, und wo jeder Russe merkwürdig die Stirn runzelt, wenn er derartiges in Deutschland sieht:

> Russischer Zupfkuchen

> “Russisch Brot”

> “Russisch Ei”

Auch wenn die Bezeichnungen vielleicht hier eine lange Tradition haben, es ändert nichts daran, dass es sich dabei ausschließlich nur um deutsche Phantasienamen, wirklich nur reine Phantasienamen handelt für Produkte, die es so in Russland nicht gibt und nie gab.

 

 

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