Bahn

Bahnhof Stavropol, Aufnahmedatum nicht bekannt

Man könnte trefflich darüber streiten, ob zwischem dem Reisen zu der Zeit, wo das obige Photo entstand, und heutzutage wesentliche Unterschiede bestehen... :)

Fakt ist jedoch, dass eine Reise mit der Bahn von Deutschland zum Kaukasus immer noch erheblich Zeit erfordert. Selbst wenn man nur die Teilstrecke von Moskau nach Stavropol mit der Bahn fährt, dauert die Fahrt zwischen 30-32 Stunden. Je nach Abfahrtszeit des Zuges bedeutet das zwei Übernachtungen während der Zugfahrt. Wobei es im Gegensatz zu Flugreisen allerdings nicht unbedingt erforderlich ist über Moskau zu reisen, wenn man mit der Bahn von Deutschland aus nach Stavropol fahren möchte. Ganz grob gibt es zwei Haupt-Reisestrecken für eine Bahnfahrt von Deutschland nach Stavropol:

REISEROUTE:

Bei Abfahrtsorten nördlich von Frankfurt sowie von Nord- und Mitteldeutschland aus geht die Strecke über Berlin zunächst nach Polen (Warschau), und von dort aus weiter über Weissrussland Richtung Moskau. Endlich nach zwei bis drei Tagen in Moskau angekommen, darf man sich dann dort durch die halbe Stadt zu einem anderen der zahlreichen Moskauer Kopfbahnhöfe begeben, um von dort aus weiter runter nach Stavropol fahren zu können.

Für Reisende mit Abfahrtsort südlich von Frankfurt bietet es sich an, über Ungarn (Budapest), Ukraine (Kiew) nach Rostov (Russland), und von da aus weiter nach Stavropol zu fahren.

Egal für welche Reiseroute man sich entscheidet, es gilt die Regel:

Die schnellste Verbindung ist nicht unbedingt die Beste !

Denn die (theoretisch) schnellste Verbindung bedeutet häufiges Umsteigen. Teilweise bis zu 6x, verbunden mit u.U. nur sehr knapp bemessenen Umsteigezeiten. Und sehr knapp ist bei diesen Entfernungen alles, wo die Umsteigezeiten unter drei Stunden liegen. Das ganze dann noch verbunden mit potentiellen Ausfällen eines Verbindungszuges irgendwo zwischen Weißrussland und der Ukraine oder wo auch immer. Weshalb man bei Zugfahrten grundsätzlich die Regel beachten sollte: so wenig Umsteigen wie möglich ! Bei insgesamt ca. 4 Tagen Zugfahrt ist es wirklich völlig irrelevant, ob man 6 Stunden früher oder später ankommt.

Der Grund für die langen Fahrzeiten hat mehrere Gründe:

Zum einen haben die Bahnen in Russland, Weissrussland und der Ukraine eine andere, größere Spurweite als die im restlichen Europa. Weshalb Züge nicht einfach durchfahren können, sondern an den Grenzstationen müssen sämtliche Waggons umständlich hochgebockt und mit anderen Achsen versehen werden, damit sie weiter fahren können. Nur alleine dafür kann durchaus ein halber Tag drauf gehen.

Umfangreiche Grenz- und Zollkontrollen an den Grenzen zur Ukraine und Weißrussland lassen einen Zug weitere etliche Stunden stehen.

Dann bewegt sich ab polnisch-deutscher Grenze alles zunehmend in einem Schneckentempo. Wenn sich in Russland ein normaler Fernreisezug mal schneller als 70 km/h bewegt, dann versetzt das sowohl den Lokführer, wie auch die Fahrgäste in einen Geschwindigkeitsrausch.

Und zu guter Letzt sieht es insbesondere in Russland so aus, dass Güterverkehr Vorrang vor Personenverkehr hat. Ein Überbleibsel aus alten kommunistischen Zeiten. Da kann es durchaus passieren, dass man unterwegs mal zwei Stunden auf irgendeiner Überholstation mitten in der Wildnis auf einen Güterzug warten muss, der da so gemütlich mit 30-40 km/h des Weges entlang tuckelt. Andererseits lässt die Länge russischer Güterzüge auch gar keine höhere Geschwindigkeit zu:

Wenn von russischen Eisenbahnen die Rede ist, denkt jeder zuerst an die Transibirische Eisenbahn. Zu Recht, schließlich ist sie mit über 9.000 km Länge die längste Eisenbahnstrecke der Welt. Hier weitestgehend unbekannt, selbst in Eisenbahnerkreisen, ist die Zugverbindung von Stavropol nach Workuta, nördlich vom Polarkreis nur unweit vom Polarmeer gelegenen. Mit einer Streckenlänge von über 3.500 km bildet diese Strecke die längste durchgehende Nord-Süd Eisenbahnverbindung Europas !!!

Länge und Fahrtdauer lassen einen russische Eisenbahnenstrecken gewaltig lang erscheinen. Andererseits ist das Streckennetz an sich in Russland ausgesprochen dünn. Die insgesamte Schienennetzlänge ist gerademal doppelt so lang wie in Deutschland. Viele Bahnhöfe beeindrucken durch gewaltige Bahnhofsbauten, die einen gewaltigen Zugverkehr suggerieren. Die Wirklichkeit sieht jedoch völlig anders aus. Beispiel der Bahnhof von Stavropol:

Bahntechnisch gesehen sind die meisten Bahnhöfe in Russland bezogen auf den Personenverkehr nur einfache Durchgangs-Bahnhöfe für den Fernverkehr ohne Umsteigemöglichkeiten auf andere Strecken. Insbesondere Personen-Vorortverkehr ähnlich unserer S-Bahn z.B. für Berufspendler findet sich nur in Metropolen wie Moskau oder St.Petersburg. 

Alles in allem ist eine Bahnfahrt in Russland nichts für Leute, die eine Zugfahrt nur als kurzzeitige Fortbewegungsmöglichkeit zwischen zwei Orten ansehen. Zugfahrten in Russland erfordern Geduld und eine gesunde Portion Humor. “Die Fahrt ist das Ziel !” - nirgendwo sonst gilt dieser Spruch mehr als bei einer Bahnfahrt in Russland. Allerdings unterliegt sie ihren eigenen und ganz besonderen Gesetzen, die es zu beachten gilt. Auch wenn das eine oder andere für einen Ausländer und speziell für einen Deutschen ausgesprochen befremdlich erscheint. Insbesondere bedarf sie einer ausgeprägten Organisationsfähigkeit, die schon lange vor der Fahrt beginnt. Womit wir zu der Beschreibung einer Zugfahrt in Russland kommen:

 

EINE ZUGFAHRT IN RUSSLAND

Eine ideale Gelegenheit, sich profunde Kenntnisse
in Projektmanagement anzueignen

1. Teil
1. Klasse oder “Platzkart” ?

Da es sich bei Fahrten in Russland mit einem Fernreisezug um Fahrten in einem Schlafwagenzug handelt, erfordert eine solche Zugfahrt (wie auch in Deutschland) zwingend eine Platzreservierung. Wobei es vor dem Kaufen einer Fahrkarte ausgesprochen wichtig ist sich Gedanken zu machen, welche Art von Abteil, und welche Art von Bett man in diesem Abteil haben möchte. Sich da falsch zu entscheiden, kann eine Zugfahrt zu einer höchst unbequemen Angelegenheit werden lassen.

2. Teil
Kauf einer Fahrkarte

Ist man sich darüber im Klaren, wie man reisen möchte, gilt es heraus zu finden, mit welchem Zug man fahren möchte, und wann denn überhaupt Züge fahren. Denn in Russland fahren Fernreisezüge nicht unbedingt täglich. Dabei ließe sich ohne weiteres täglich ein Zug mit Fahrgästen füllen. Nur, in Russland gehen die Uhren anders, und anstatt erhöhtes Verkehrsaufkommen durch zusätzliche Zügen auszugleichen, werden in Russland stattdessen überlange Züge mit 20 Wagons und mehr gebildet. Andererseits sind derartig lange Züge ausgesprochen beeindruckend. Aber über eins muss man sich im Klaren sein: derartig lange Dinger können und dürfen nicht schnell fahren. Jeder Nahverkehrszug in Deutschland fährt schneller als ein Schnellzug in Russland. Sämtliche Fahrpläne für Bahnfahrten in Russland finden sich hier:

3. Teil
Kauf einer Fahrkarte

Hat man sich endlich für einen bestimmten Zug entschieden, geht es an das Abenteuer des Kaufes einer Fahrkarte. Der Kauf einer Fahrkarte erfordert erhebliches Organisationstalent und ist ähnlich aufwendig wie der Kauf eines Flugtickets. Online-Buchungen sind, wenn überhaupt, nur mit Tücken verbunden. Als Ausländer ohne jegliche Erfahrung beim Kauf einer Fahrkarte in Russland fühlt man sich häufig verraten und verkauft:

4. Teil
Am Bahnhof, oder was es vor Abfahrt des Zuges alles zu beachten gilt

Hat man endlich das gewünschte Ticket für seine Fahrt erworben, geht es an die Vorbereitungen für dieselbige. Das sich jemand alleine auf den Weg zum Bahnhof macht, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Wer mit dem Zug fährt, wird auf dem Bahnsteig von der halben Familie verabschiedet: 

5. Teil
Verpflegung

Betrachtet man in Deutschland Fahrten von 6 Stunden als sehr lang, so würde man in Russland derartige Fahrten eher noch zum Vorortverkehr zählen. Zwischen Moskau und dem Kaukasus ist man mindestens 30 Stunden unterwegs, verbunden mit mindestens einer Übernachtung. Entsprechend gilt es, seine Verpflegung für so eine lange Fahrt vorzubereiten:

6. Teil
Während der Fahrt

In einem Abteil zu sitzen und an die 5 Stunden an den gegenüber sitzenden Mitreisenden vorbei zu schauen ist in Russland ein Ding der Unmöglichkeit. Schon während der ersten Minuten werden Kontakte geknüpft und man plaudert gemeinsam über Gott und die Welt und die Familie. Vor allem hilft man sich gegenseitig, es sich im Abteil gemütlich zurecht zu machen. Aber es gibt auch so manche Tücken, die es zu beachten gilt:

7. Teil
Bahnhof Stavropol

Bahntechnisch gesehen ein kleiner Bahnhof. Und dennoch bedeutsam, da von hier mit einem Zug nach Workuta hinter dem nördlichen Polarkreis mit über 3.500 km Zugstrecke die längste durchgehende Nord-Süd Eisenbahnverbindung auf dem europäischen Kontinent abgeht (oder endet, je nach Betrachtungsweise):

 

Und für diejenigen, die es geschafft haben bis hier hin durchzulesen,
hier eine kleine, aber interessante und informative Photosammlung über die russischen Staatsbahnen: :

 

Bahn in der Nähe von Mineralnye-Vody

Copyright sämtliche Photos:
Siehe Copyright-Vermerk auf den Photos