Eine russische Hochzeit

Hier soll nicht das Administrative und Bürokratische einer Heirat in Russland beschrieben werden. Bezogen auf eine binationale Heirat empfehlen wir diesbezüglich das Buch “Russian Romance” von Fucano, wo alles im Detail beschrieben ist, inklusive des notwendigen Papierkrieges in Ost und West. Hier möchten wir stattdessen den Ablauf einer russischen Hochzeitfeier sowie einer orthodoxen Trauung auf dem Land beschreiben. Viel wichtiger und schöner als der ganze Papierkram...

So eine russische Hochzeit ist insgesamt sehr aufwendig, und erstreckt sich über mehrere Abschnitte und Tage:

- Malschishnik (Polterabend für die Männer)
- Devichnik (Polterabdend für die Frauen)
- Die standesamtliche Trauung
- Die kirchliche Verlobung
- Die kirchliche Trauung
- Die Bekränzung
- Der Hochzeitskuchen
- Das Bankett für Familie, Verwandtschaft und engste Freunde
- Die Nachfeier für Nachbarn, Kollegen, Bekanntenkreis

Ihr könnt erkennen, die Sache wird aufwendig - und kann recht teuer werden. Aber sie wird sehr viel Spaß und Freude bereiten, etwas wirklich einmaliges im Leben darstellen – und da sollte Geld nicht im Vordergrund stehen.

Das wichtigste ist es, jemanden zu haben, der einen in jeder Hinsicht voll und ganz unterstützt, vielleicht auch alles organisiert. Ein derartiger Organisator ist in Russland aufgrund der umfangreichen Feierlichkeiten völlig normal in Gestalt der beiden Trauzeugen. Sie haben nicht nur wie in Deutschland die Aufgabe während der Trauung dabei zu sitzen und die Heiratsurkunde mit zu unterschreiben, nein, ihre Aufgaben sind weit vielschichtiger:

Der Trauzeuge

Der Trauzeuge ist der Haupthelfer des Bräutigams in allen Fragen der Organisation und des Ablaufes. Traditionell wird der Trauzeuge aus dem unverheirateten Freundeskreis gewählt. Er sollte über Organisationstalent, Durchsetzungsvermögen und umfangreiche Beziehungen und Kontakte verfügen. Ganz wichtig: ihm sollte gesunder Humor zueigen sein, da er derjenige ist, der bei der Feier oder beim Bankett für ständig neue Einlagen zu sorgen hat. Die Organisation des Banketts, also die eigentliche Feier, wird traditionell vom Bräutigam übernommen, wobei ihm natürlich der Trauzeuge behilflich ist. Der Malschishnik hingegen, der Polterabend nur für die Männer, wird völlig eigenständig vom Trauzeugen organisiert, damit hat der Bräutigam nichts zu tun.

Am Tage der Hochzeit kommt der Trauzeuge zur vereinbarten Stunde in das Haus des Bräutigams um bei den letzten Vorbereitungen zu helfen. Anschließend begleitet er den Bräutigam zum Haus der Braut abzuholen. Dabei kann es durchaus passieren, dass der Bräutigam von einer anderen “Braut” als die erwartete begrüßt wird:

www.stawropol.de

Die Abholung der Braut ist mit dem Ritual der ”Auslösung” verbunden. Die Auslösung kann in Form von Geld sein, oder in Form von Getränken wie Sekt, Wodka, Cognak. Möglich sind auch Konfekt und Früchtekörbe. Am besten von allem etwas:

www.stawropol.de

“Auslösung der Braut”
Die Trauzeugen sind an ihren Schärpen erkennbar:

www.stawropol.de

Dabei begrüßen sich auch Trauzeuge und Trauzeugin formell, wobei der Trauzeuge ihr einen Strauß Blumen überreicht. Anschließend fahren alle zusammen zum Standesamt, wobei im ersten Fahrzeug immer nur der Bräutigam und der Trauzeuge sitzen. Der Trauzeuge kann den Wagen fahren, ein eigener Fahrer wäre aber aufgrund des Alkoholkonsums besser.

www.stawropol.de

Angeber mieten sich für die Fahrt zu Standesamt / Kirche einen Benz etc.,
während ihnen einen Pulk von Ladas und Wolgas folgt.
Wahre nationalbewusste Russen mieten sich für die Fahrt einen Wolga,
während ihnen ein Pulk von ausländischen Wagen folgt...
 

Die Aufgaben eines Trauzeugen im Standesamt sind identisch mit denen bei uns in Deutschland: Durch Unterschrift unter die Heiratsurkunde die Trauung bezeugen.  Nach der Trauungszeremonie im Standesamt geht es entweder zur Kirche, oder zu den typischen, traditionellen Stellen im Ort, an denen Brautleute einen Blumenstrauß hinterlegen. Oft sind dies ein Lenin-Denkmal oder ein Kriegs-Denkmal. Auch hier sitzt auf der Fahrt dorthin der Trauzeuge zusammen mit dem Bräutigam vorne im ersten Wagen, während im zweiten Wagen die Braut mit ihrer Trauzeugin folgt. Bei der Besichtigung der jeweiligen Stellen ist es Aufgabe des Trauzeugen dafür zu sorgen, das genügend Getränke bereit stehen und serviert werden.

Während des Banketts führt der Trauzeuge durch sämtliche Aktionen und Spiele, kümmert sich um die passende Musik, und achtet vor allem darauf, das niemand die Braut stiehlt. Sollte es dennoch vorkommen, muss er sich zusammen mit dem Bräutigam auf die Suche nach der Braut machen und sie loskaufen.

Der Job eines Trauzeugen ist erst beendet, wenn wirklich der allerletzte Gast sich auf den Heimweg gemacht hat. Dafür hat er dann am darauf folgenden Tag Ruhe und kann ausschlafen, auch wenn die gesamten Hochzeitsfeierlichkeiten sich über weitere Tage erstrecken sollten. Alles in allem ein verdammt harter Job, aber noch lange nicht so anstrengend wie der, den die Trauzeugin hat:

Die Trauzeugin

Sie ist für die Braut die wichtigste Vertraute und Helferin in allen Fragen der Hochzeit und der gesamten Vorbereitungen. Traditionell wird als Trauzeugin ein junges unverheiratetes Mädchen aus dem Freundeskreis gewählt. Auch sie sollte über Organisationstalent, Durchsetzungsvermögen und umfangreiche Beziehungen und Kontakte verfügen. Die Pflichten einer Trauzeugin beginnen lange vor der eigentlichen Hochzeit. Gewöhnlich hilft die Trauzeugin der Braut bei der Wahl ihrer Hochzeitsgarderobe sowie sämtlicher Accessoires. Natürlich ist sie auch die wichtigste Hilfe für die Braut in allen Fragen der Organisation. Sie ist diejenige, welche das Ritual der Auslösung der Braut von ihren Eltern in allen Einzelheiten plant und leitet. Zu ihren weiteren Aufgaben gehört alles, was mit Ausschmückung zu tun hat. Und das ist nicht wenig. Angefangen mit sämtlichen für die Hochzeit verwendeten Autos, dann dem Haus der Braut, die Ausschmückung der Halle, in welcher das Bankett gefeiert wird, bis hin zu den vielen großen und kleinen Dekorationen, die überall notwendig sind, wie z.B. Luftballons, Girlanden, Plakate, bis hin zu den symbolischen Bändern für die Auslösung der Braut.

Am Tag der Hochzeit ist die Trauzeugin als erste bei der Braut und hilft ihr beim ankleiden. Als ruhender Pol muss sie dafür sorgen, das im Haus der Braut nicht alles drunter und drüber geht.

www.stawropol.de

Wenn der Bräutigam erscheint um die Braut aus ihrer Familie auszulösen ist sie diejenige, welche dem Bräutigam als erste entgegen geht um dann zusammen mit der Familie der Braut und den anwesenden Freundinnen das Ritual der Auslösung durchzuführen. Nach dem Lossagen der Braut von ihrer Familie fahren alle gemeinsam zum Standesamt. Bevor die Braut aber in den Wagen steigt, wird sie von ihrer Mutter dreimal um das Auto herum geführt (oder ein jeweils anderes Gefährt, womit die Frau von ihrer Familie weg fährt)

Während der Trauzeremonie im Standesamt sitzt die Trauzeugin neben dem Bräutigam, während der Trauzeuge neben der Braut sitzt. Nachdem die Unterschriften und alles formelle erledigt ist, steht die Trauzeugin neben der Braut um all die Blumensträuße zu übernehmen, welche der Braut von den Gästen geschenkt werden. Auf der Fahrt von und zum Standesamt bzw. Kirche sitzt die Trauzeugin neben der Braut im Wagen:

www.stawropol.de

Auf dem Festbankett ist die Trauzeugin die erste, welche einen Toast ausspricht, und zwar zu Ehren der Braut. Neben dem Trauzeugen hilft sie während der Feierlichkeiten im Bankettsaal bei allen Aktionen wie Tänze, Wettbewerbe, und Spiele. Wie der Trauzeuge muss auch sie warten, bis sich tief in der Nacht der letzte Gast verabschiedet hat. Im Gegensatz zum Trauzeugen ist damit aber ihre Arbeit noch keineswegs beendet: sollte es am darauf folgenden Tag noch weitere Feierlichkeiten geben, z.B. mit weiteren Verwandten oder mit der Nachbarschaft, dann ist sie auch dort bis zum Schluss ständig anwesend. Diesem Mädchen gebührt Respekt !

Malschishnik, der Polterabend nur für die Männer

Malschishnik wird am Abend vor der Hochzeit gefeiert und ist traditionell das Fest, wo der Mann ein letztes mal als Junggeselle zusammen mit seinen Freunden feiern kann. Organisiert wird der Malschishnik vom Trauzeugen des Bräutigams, mit Hilfe und Unterstützung von der Familie des Bräutigams. Der Bräutigam bekommt dabei Geschenke überreicht, die ihn an seine stürmische Jugend und Zeit als Junggeselle erinnern. Seit relativ neuer Zeit ist es auch Brauch, auf Malschishnik eine große Torte zu präsentieren aus der ein leicht bekleidetes Mädchen entsteigt. Eine nette Methode um festzustellen, ob sich die Gedanken des Bräutigams auch wirklich nur um seine Frau drehen...

Allerdings ist dies ein recht teurer Spaß und aufgrund der Kosten eher nur in finanziell gut bestellten Kreisen zu finden. Der Malschishnik kann überall gemacht werden, wo man Lust und Laune dazu hat, und wo genügend Platz vorhanden ist. Das kann beim Bräutigam zuhause sein, in einem Café, aber auch ohne weiteres in freier Natur. Sogar ein Feiern in einer Sauna ist möglich. Letztendlich entscheidet der Geldbeutel darüber.

Devichnik, der Polterabend nur für die Frauen

Der wird ebenfalls allgemein kurz vor der Hochzeit gefeiert, aber nicht unbedingt direkt am Abend davor. Denn da ist die Braut oft zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt. Deshalb kann es auch ohne weiteres vorkommen, das Devichnik ein oder zwei Tage nach der Hochzeit gefeiert wird.

Wie beim Malschishnik geht es auch beim Devichnik um den Abschied vom freien, unverheirateten Leben. Dazu versammelt sich die Braut mit all ihren Freundinnen. Auch sie bekommt Geschenke überreicht, die sie an ihre Zeit als Mädchen und unverheiratete Frau erinnern soll. Geholfen wird der Braut dabei von ihrer Trauzeugin und von ihrer Familie.

Standesamtliche Trauung

Die standesamtliche Trauung entspricht in weiten Teilen vom Ablauf her der Trauung in Deutschland, und ist jetzt hier nicht gesondert beschrieben.

Wenn die frisch Vermählten das Standesamt verlassen, werden sie mit Reis überschüttet. Dies soll zahlreichen Kindersegen bringen.

Kirchliche Hochzeit - Vorbereitung / Beichte

Eine kirchlich-orthodoxe Trauung ist völlig anders, als wie wir es von einer katholischen oder protestantischen Trauung gewohnt sind. Sie wird in der Russisch-Orthodoxen Kirche in mehrere Abschnitte unterteilt:

- Vorbereitung und Fastenzeit
- Beichte
- Verlobung
- Trauung
- Bekränzung

Vorbereitung und Fastenzeit

Wer eine kirchliche Trauung ganz streng nach dem Ritus der Orthodoxen Kirche vornehmen möchte, muss schon einige Tage vorher damit beginnen, sich geistig, seelisch und auch körperlich dafür vorzubereiten. Dazu gehören tägliche Kirchgänge, Beichte, sowie viele Gebete, die vor einer Trauung entsprechend der orthodoxen Religion vorgeschrieben sind. Sie im einzelnen aufzuführen führt jetzt hier zu weit. Des weiteren ist ab dem Tag vorher Fasten angesagt: Fleisch, Eier, Milch und Milchprodukte dürfen nicht mehr zu sich genommen werden. Und selbstverständlich hat man sich jeglicher ”fleischlicher Gelüste” zu entsagen. Für religiöse Menschen, die sich streng an die Rituale der Orthodoxen Kirche halten wollen, bedeutet dies natürlich, dass Devichnik und Malschishnik einige Tage vorher stattfinden müssen.

Zu beachten ist ebenfalls die Garderobe. Während die meisten Hochzeitsgäste im Gegensatz zu hier eher leger gekleidet sind, trägt der Mann grundsätzlich immer einen Anzug. Der Stil des Hochzeitskleides der Braut weicht dagegen oft in vielen kleinen Details vom hiesigen Stil ab, ist strenger, aufgrund der kirchlichen Bekleidungsvorschriften höher aufgeschlossen.

Von sämtlichen weiblichen Besuchern der Kirche wird erwartet, dass sie ein Kopftuch tragen. Hände, Schultern, Rücken und Brust sollen vollständig bedeckt sein, ggf. mit einem Tuch bedeckt werden. Hosen sind bei der Braut grundsätzlich nicht gestattet. Kosmetik und Parfüm sollen, wenn überhaupt, nur sehr dezent aufgetragen werden.

Beichte

Wenn das Brautpaar am Hochzeitstag in der Kirche eintrifft, haben beide zunächst die Beichte abzulegen. Dabei dürfen sie übrigens streng genommen keine Hochzeitsgarderobe tragen, die wird soll erst danach in einem separaten Raum angelegt werden. Allerdings wird das nicht mehr so streng praktiziert, schließlich hat dauert es etliche Zeit, eine Braut entsprechend anzukleiden. Nach der Beichte werden dem Priester, welcher später die Bekränzung vornimmt, die Trauringe gegeben, damit er sie segnen kann.

Verlobung

Ja, es nennt sich Verlobung, hat aber mit einer Verlobung in unserem Sinne überhaupt nichts zu tun. Die Verlobung dauert ungefähr 40 Minuten, in der sich das Brautpaar nicht setzen darf.

Der Priester, bekleidet in festlichem Ornat, erscheint aus dem Altarraum indem er durch die Zaristischen (mittleren) Tore den Ikonenbereich des Kirchenraums betritt. In den Händen hält er das Kreuz und das Evangelium. Hinter ihm schreitet der Diakon, der dabei Weihrauch verbrennt.

Der Priester legt Kreuz und Evangelium ab, segnet sie, nimmt zwei brennende Kerzen und überreicht sie dem wartendem Brautpaar, welche sie während der gesamten Zeremonie der Verlobung tragen werden.

Anschließend wird das Brautpaar vom Priester in die Kirche geführt. Es wird Weihrauch verbrannt und aus der Bibel gelesen. Nach diesem Liturgieteil nimmt der Priester den Ehering des Bräutigams und spricht dreimal den Satz:

”Es verloben sich der Diener Gottes (Name des Bräutigams) und die Dienerin Gottes (Name der Braut)”

Bei jedem Aussprechen dieser Worte schlägt der Priester das Kreuzzeichen über dem Kopf des Bräutigams. Anschließend zieht er ihm den Ring auf den Ringfinger der Hand auf. Danach findet das gleiche Ritual bei der Braut statt.

Trauung

Wenn die Verlobung beendet ist, beginnt die eigentliche Trauung. Dazu schreitet das Brautpaar zusammen mit dem Priester, die Kerzen in der Hand, in die Mitte der Kirche, wo schon vorher der Priester das Kreuz und das Evangelium nieder gelegt hat. Für die Zeremonie bringt das Brautpaar ein weißes Leinentuch mit, auf welchem es die ganze Zeit stehen wird. Der Priester wendet sich dann an den Bräutigam und fragt:

”Ist es dein aufrichtiger und ungezwungener Wunsch und die feste Absicht, Mann von dieser (der Name der Braut) zu sein, die du hier vor dir siehst ?”

Worauf der Bräutigam antwortet:

”Ja, ich habe den ehrlichen Wunsch !”

Der Priester fragt weiter:

”Bist du einer anderen aufgrund eines Versprechens verbunden ?”

Und der Bräutigam antwortet:

”Nein, ich bin nicht verbunden !”

Mit denselben Fragen wendet sich der Priester dann an die Braut.

Damit ist die reine Trauungszeremonie beendet, und es beginnt die Zeremonie der Bekränzung.

Die Bekränzung

Die Bekränzung beginnt mit einer Lesung aus dem Evangelium. Anschließend reicht der Priester den Brautleuten die Ikone reicht, welche von beiden geküsst wird, worauf hin der Priester die beiden segnet.

Danach spricht der Priester die Worte:

”Es werden der Diener Gottes (es folgt der Name des Bräutigams) und die Dienerin Gottes (es folget der Name der Braut) im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes bekränzt.”

Anschließend spricht er den Segen:

”Herr, unser Gott, bekränze sie.”

Dem Segen folgt eine Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus an die Epheser, dem sich das Vater Unser anschließt, welches der Priester singt. Die beiden Brautleute sollen dabei mitsingen. Danach nimmt der Priester die Hände der beiden Brautleute, fügt sie zusammen, und umschließt sie mit seinen eigenen Händen.

Während der ganzen Zeremonie stehen die beiden Trauzeugen hinter dem Brautpaar und halten die Kränze jeweils über die Köpfe der Brautleute (das erfordert eine ungeheure Ausdauer in den Armen). Beide Trauzeugen müssen übrigens auch getauft sein. Am Ende der Zeremonie werden die Kränze wieder abgelegt. Das Brautpaar wendet sich wieder den beiden Ikonen zu, die sie auch zu anfangs geküsst hatten, wobei der Bräutigam die Ikone Jesu, und die Braut die Ikone von Maria als jetzt miteinander verheiratete küssen.

Damit ist die Bekränzung und kirchliche Trauung beendet. Das Brautpaar wendet sich allen Gästen und Besuchern der Kirche zu und lässt sich von allen beglückwünschen.

Allgemeines

Die kirchlichen Vorschriften besagen, dass keine Paare gleichzeitig getraut und bekränzt werden sollen. Aufgrund der vielen Fastenzeiten im Jahreszyklus der Orthodoxen Kirche, während der Trauungen nicht gestattet sind, gibt es jedoch oft kaum noch freie Termine für Trauungen. Hinzu kommt, das in vielen orthodoxen Kirchen an einem Sonntag keine Trauungen stattfinden. Aufgrund dieser Terminprobleme kommt es also immer häufiger zu parallelen Trauungen.

Rituale, Sitten & Gebräuche

Das Seil:

Wenn das Brautpaar die Kirche verlassen hat, muss es draußen ein Seil übertreten, welches vorher von den Freunden dort hin gelegt wurde. Das Übertreten ist ein uralter heidnischer Brauch und stellt eine Auslösung da, die von allen Sünden reinigen soll.

Denkmal:

Ein kommunistischer Brauch aus Zeiten, wo kirchliche Trauungen selten praktiziert wurden, das Brautpaar sich aber doch eine Art von Segen holen wollte. Dazu fuhr man zu einem der wichtigen Denkmäler der Stadt. Dies konnte ein Lenin-Denkmal sein, oft aber auch eins von den Kriegs-Ehrendenkmälern. Wobei die Kombination Hochzeit und Krieg aus westlicher Sicht etwas befremdlich erscheint. Am Denkmal angekommen legt das Brautpaar dort Blumensträuße nieder. Dieses Niederlegen soll Glück bringen, und es sollen sich die Wünsche der Brautleute erfüllen. Danach werden Gläser mit Sekt gefüllt und es werden Toasts auf das Wohl des Brautpaares gesprochen:

www.stawropol.de

Gemeinsam aus einer Schüssel trinken

Das Brautpaar legt die Trauringe in eine große gläserne Schüssel, die großzügig mit Wodka gefüllt wird. Dann nehmen die Trauzeugen die Schüssel hoch, sprechen ein Toast auf das Brautpaar aus, und trinken einen Schluck Wodka aus der Schüssel. Anschließend wird die Schüssel an die Eltern des Brautpaares weiter gereicht die ebenfalls einen Toast aussprechen und daraus trinken. So geht es weiter bis auch der letzte Gast einen Toast gesprochen und daraus getrunken hat. Aufgrund des gemeinsamen Trinkens aus einer Schüssel ist dieser Brauch ein Zeichen von Zusammengehörigkeitsgefühl. Beide Familien sind jetzt eine Familie. Wobei die auf dem Boden der Schüssel liegenden Trauringe diesem Brauch eine besondere Art von Symbolik und Segen geben.

Hochzeitskuchen

Der Hochzeitskuchen in Russland ist keine Torte, sondern etwas ganz besonderes mit sehr tiefer Symbolik. Es ist ein rituelles Gebäck. Um Missverständnisse zu vermeiden: Die auf der Hochzeiten angebotenen Torten und Kuchen, auch nicht die große Hochzeitstorte, haben nichts mit dem Hochzeitskuchen zu tun ! Wenn hier später von einer Hochzeitstorte die Rede ist, so ist die nicht identisch oder gleichbedeutend mit dem Hochzeitskuchen. Das sind zwei verschiedene Dinge.

Einen Hochzeitskuchen darf es ganz streng genommen nur einmal im Leben eines Menschen geben, und zwar ausschließlich nur bei der allerersten Hochzeit. Handelt es sich beim Bräutigam oder bei der Braut um die zweite Hochzeit, egal ob aufgrund von Scheidung oder weil einer der beiden verwitwet ist, darf es keinen Hochzeitskuchen mehr geben. Allerdings wird das heute nicht mehr so streng gesehen.

Der Hochzeitskuchen wird nur von Frauen aus den beiden Familien des Brautpaares gebacken, die sich dafür morgens am letzten Sonnabend vor der Hochzeit treffen. Darunter natürlich die Mütter des Bräutigams und der Braut. Allgemein sind es fünf bis sieben Frauen, und es dürfen nur Frauen daran teilnehmen, welche innerhalb der Familien hoch geachtet sind. Jeder dieser Frauen kommt dabei eine besondere Aufgabe zu. Niemals jedoch dürfen Witwen oder kinderlose Frauen daran teilnehmen. Es wird angenommen, das sich deren Schicksal  negativ auf die neue, junge Familie einwirken kann.

Gewöhnlich werden zwei Hochzeitskuchen gebacken: Der Hochzeitskuchen der Braut hat er die Form eines Kreises und stellt damit die Sonne dar. Der des Bräutigams ist sichelförmig, den Mond darstellend. Traditionell wird der Kuchen aus Mehl, Honig, Mandeln und vielerlei Gewürzen hergestellt. Jeder Schritt des Backens wird dabei von einer Vielzahl von Liedern und Gesängen begleitet.

Ist der Hochzeitskuchen fertig, muss er bis zur offiziellen Teilung sehr sorgfältig aufbewahrt werden. Oft wird er dazu in ein Behältnis gelegt, welches fest verschlossen wird. Ist der Hochzeitskuchen gut gelungen und bleibt ganz, so wird dies als Zeichen für eine gemeinsames, gutes Leben angesehen. Sollte er jedoch nicht gelingen oder zerbrechen, so wird das als negatives Omen angesehen.

Überreichen des Hochzeitskuchens:

www.stawropol.de

www.stawropol.de

www.stawropol.de

Das obere Teil des Hochzeitskuchens symbolisiert Jugend und Leben, und wird meist getrocknet und in das weiße Leinentuch eingewickelt, auf welchem eben kurz vorher die Brautleute während der Bekränzung in der Kirche gestanden haben. Der mittlere Teil wird unter den engsten Familienangehörigen verteilt, und der untere Teil ist für die restlichen Hochzeitsgäste.

Bankett

In den allerseltensten Fällen ist die Verwandtschaft so klein oder das Haus so groß, dass sämtliche Gäste Platz darin finden können. Deshalb findet das Bankett oft in einem gemieteten Saal statt. Das kann in einem Restaurant sein oder Café, aber ohne weiteres auch in einem größeren Raum einer Firma oder auch immer. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, während der warmen Jahreszeit draußen unterm freien Himmel zu feiern. Auch eine Datscha kann durchaus dafür geeignet sein, wenn sie genügend Platz bietet. Oder, wie bei unserer Landhochzeit, draußen in Hof und Garten unter aufgestellten Zeltplanen:

www.stawropol.de

Egal ob drinnen oder draußen, wichtig ist, dass viel Spaß aufkommt. Bei einer russischen Hochzeit wird gefeiert - richtig viel gefeiert. So manche Hochzeit in Deutschland mit bravem Essen und Sitzen an Tischen in Hufeisenform, streng getrennt zwischen ihrer und seiner Verwandtschaft, so etwas wäre in Russland eher eine Trauerfeier. Verantwortlich für die Organisation und den Ablauf des Banketts ist der Trauzeuge, während die Trauzeugin für die gesamte Ausschmückung und Dekoration der Räumlichkeiten zuständig ist. Bei sehr großen Hochzeiten wären die beiden damit natürlich oft hoffnungslos überlastet. Deshalb werden die Ausschmückung und die Moderation oft in die Hände von Profis gegeben.

www.stawropol.de

www.stawropol.de

www.stawropol.de

www.stawropol.de

Es werden viele Gäste zusammen kommen, sowohl von der Seite der Braut wie auch des Bräutigams ist normalerweise mit jeweils mindestens 40 Gästen zu rechnen. Zusammen mit dem Brautpaar und den Trauzeugen kommen also ohne weiteres an die 100 Personen zusammen. Und die wollen beschäftigt werden ! Ganz wichtig sind dabei die richtige Musik und Tanz, soweit möglich mit einer Live-Kapelle. Ebenfalls Brauch ist es, viele Wettbewerbe durchzuführen. Nicht selten gibt es auch Vorführungen eines Clowns oder Show-Einlagen von gemieteten Künstlern.

Nachdem auch der letzte hartnäckig verbliebene Gast sich endlich auf den Heimweg gemacht hat, verlassen Trauzeuge und Trauzeugin als allerletzte das Bankett.

Zweiter Tag

Für das Feiern mit der Nachbarschaft, den Kollegen, oder sonstigen Bekannten ist der Tag nach der Hochzeit vorgesehen. Dies aber bei weitem nicht so aufwendig wie am reinen Hochzeitstag während des Banketts. Es ist eher ein geselliges zusammen sitzen, welches oft auch zuhause bei den Eltern der Braut oder des Bräutigams stattfindet, je nachdem, wo es die Platzverhältnisse besser zulassen. Natürlich wird auch da gefeiert und getanzt. Organisiert und koordiniert wird auch dieser zweite Tag von den Trauzeugin mit Hilfe der Eltern des Brautpaares.

www.stawropol.de

Natürlich ist diese Beschreibung einer russischen Hochzeit nicht allgemeingültig, wie auch jede Hochzeit in Deutschland individuell ist. Ganz so, wie eben ein Brautpaar sich seine Hochzeit wünscht und individuell gestaltet. Zudem hängt es natürlich auch sehr davon ab, in welchem Rahmen gefeiert werden soll: groß, mit vielen Gästen, oder eher klein und intim. Aber dennoch zeigt diese Beschreibung, wie aus russischer Sicht eine richtige Hochzeit abläuft, wenn entsprechend den Traditionen gefeiert werden soll.

 

Copyright sämtliche Photos:
www.stawropol.de