Fernreise-Busse

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Zentraler Busbahnhof Stavropol

Für hiesige “Ureinwohner” fast völlig unbekannt, da bislang in Deutschland verboten, um keine Konkurrenz gegenüber der Bahn zu bilden:

Busverbindungen über lange Distanzen zwischen den Städten innerhalb eines Landes. Bislang einzig erlaubt in Deutschland waren Transkontinentalbusse, die nach Fahrplan nach Spanien, Polen, Südosteuropa und auch nach Russland fahren. Erst seit kurzem sind auch in Deutschland diverse Linienbusverbindungen zwischen weiter entfernten Städten wie z.B. Köln-Hamburg erlaubt. Allerdings mit so zahlreichen Auflagen, dass man nicht wirklich von echten Linienbusverbindungen sprechen kann. In Russland sind sie aber, wie z.B. auch in USA, Kanada, Australien etc. ein absolut übliches Verkehrsmittel.

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Zentraler Busbahnhof Stavropol

Zweite Abfahrtsstelle für Fernreisebusse auf dem
Vorplatz des Zugbahnhofs:

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Wie auch immer, in Russland ist es problemlos möglich, mit dem Bus auch zwischen weit entfernten Städten wie z.B. Moskau-Stavropol hin und her pendeln zu können. Zusätzlich gibt es auch internationale Verbindungen, die meisten davon von und nach Moskau. Allerdings gibt es auch eine Busverbindung von Deutschland aus nach Mineralnye-Vody.

 

Fahrten Deutschland - Russland

Fahrtstrecke Deutschland-Moskau über Polen und Weißrussland ca. 3.500 km, +/- 300 km je nach Abfahrtsort in Deutschland. Fahrtstrecke von Deutschland zum Kaukasus über Polen und Ukraine bzw. über Ungarn und die Ukraine ebenfalls in Abhängig vom Abfahrtsort in Deutschland ca. 3.500 km +/- 300 km.

Für beide Strecken beträgt die Fahrtzeit ca. drei Tage, wobei je nach Abfahrtsort in Deutschland ggf. noch ein halber Tag hinzu zu rechnen ist. Die Busse fahren durchgehend Tag und Nacht, anders wäre es nicht möglich diese Strecke in so relativ kurzer Zeit zu schaffen. Trotzdem muss immer mit Verspätungen von 6 Stunden und mehr gerechnet werden. Ursache sind die sehr langen Wartezeiten von bis zu 10 Stunden an den Grenzübergängen nach Belaruss, Polen und Deutschland.

 

Fahrten Stavropol-Moskau:

Fahrtstrecke ca. 1.600 km, je nach Route Dauer um die 18 Stunden Fahrtzeit. Wobei grundsätzlich immer ein paar Stunden Verspätung einkalkuliert werden müssen aufgrund unvorhergesehener Umstände, wie z.B. Pannen unterwegs:

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Zwangspause aufgrund Motorpanne (gerissener Kühlwasserschlauch). Um an den Motorraum zu kommen musste zuerst das gesamte Gepäck ausgeladen werden. Da in Russland Fahrzeuge noch im wahrsten Sinne des Wortes repariert werden, war es kein Problem, in der auf der gegenüber liegenden Seite der Autobahn gelegenen Raststätte einen Schlauch zu bekommen, der dann nur noch auf Maß abgeschnitten werden musste.

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Fahrpläne internationale Fahrten Deutschland - Russland

Es gibt keinen Online-Fahrplan, wo sämtliche Busverbindungen zwischen Deutschland und Russland aufgeführt sind. Sämtliche individuellen Fahrpläne der diversen Busgesellschaften finden sich auf deren Webpages:

Fahrpläne innerrussische Fahrten:

Stavropol hat drei Busbahnhöfe: den zentralen Busbahnhof etwas abseits vom Stadtzentrum, sowie einen zweiten am Vorplatz des Hauptbahnhofes, sowie einen dritten im Norden der Stadt. Fahrpläne für alle drei Busbahnhöfe:

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Busunternehmen und Ticketkauf:

Stavropoler Busunternehmen:

Auflistung und Webpages siehe hier:

Es ist unbedingt zu empfehlen, sich vor Ort ausführlich über die Qualität der einzelnen Unternehmen zu informieren. Auch in russischen Internetforen gibt es eine reihe von Erfahrungsberichten. Zudem dürfte sich sicherlich irgendwo im russischen Bekanntenkreis immer jemand findet, der diesbezüglich Erfahrung hat und Auskünfte bzw. Empfehlungen geben kann.

Internationale Busunternehmen:

Auflistung und Webpages siehe hier:

Auch hier gilt das gleiche wie für Stavropoler Busunternehmen: Sowohl im Web wie auch im Bekanntenkreis finden sich sicherlich genügend Erfahrungsberichte.

 

Ticketkauf in Stavropol:

Im Gegensatz zu Fahrkarten bei der Bahn sind Tickets für Fernreise- und Transkontinentalbusse direkt bei den einzelnen Busunternehmen zu kaufen. Deren Büros und Verkaufsstellen befinden sich im zentralen Busbahnhof bzw. auf dem Vorplatz des Zugbahnhofs.

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Ticketverkaufsbude von Transtur an Abfahrtsstelle Zug-Hauptbahnhof

 

Egal ob innerhalb Russlands oder von Russland nach Deutschland, Art und Ausstattung der Busse sowie Ablauf einer solchen Fahrt sind in weiten Teilen identisch:

Art der Busse:

Da ist die gesamte Bandbreite vertreten. Es finden sich sowohl moderne und teilweise doppelstöckige Reisebussen, wie auch ohne weiteres einmal ein alter Taiga. Hier gilt es, sich ausführlich vor der Fahrt zu informieren. Irgendwo im russischen Bekanntenkreis findet sich immer jemand, der diesbezüglich Erfahrung hat und Auskunft bzw. Empfehlungen geben kann.

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Zentraler Busbahnhof Stavropol
Wie man sieht, ausgesprochen moderne Reisebusse, die aufgrund ihrer Ausstattung und günstigen Reisekosten eine deutliche Konkurrenz zu Bahnreisen darstellen.

 

Busfahrer:

Jeder Bus wird von zwei Fahrern gesteuert, die sich von Pause zu Pause abwechseln. Um zu vermeiden, dass Busfahrer in die eigene Tasche wirtschaften ist ihnen untersagt, Tickets zu verkaufen.

Bei internationalen grenzüberschreitenden Fahrten wurde früher oft empfohlen, mit dem Busunternehmen in Russland die Vereinbarung zu treffen, den Fahrpreis erst bei Ankunft in Deutschland durch eine Person hier zu zahlen. Dadurch sollte vermieden werden, dass unkorrekte und faule Fahrer ihre Fahrgäste vorzeitig aus dem Bus werfen. Ob dies aktuell noch so gehandhabt wird ist mir nicht bekannt, war aber in der Vergangenheit ein ernsthaftes Problem.

Ausstattung der Busse:

Auch hier ist die gesamte Bandbreite vertreten. Über eins sollte man sich unbedingt im klaren sein: Derartig lange Busfahrten sind nicht empfehlenswert für Menschen mit langen Beinen.  Alle Busse haben zwar sog. Schlafsessel, jedoch verdienen sie diese Bezeichnung nicht. Aufgrund der mangelnden Bewegungsmöglichkeiten während der Fahrt sollte eine Busfahrt nur in Erwägung gezogen werden, wenn man absolut sicher ist, das man 25 bis über 80 Stunden Dauersitzen auf beengten Sitzen aushält.

Einige Busse sind mit Schlafbereichen ausgestattet. In diesen Bereichen wurde die Rückenlehne einer Sitzbank entfernt, und der gesamte Raum von zwei Sitzbänken zu einer durchgehenden Liegefläche umgestaltet. Was den Vorteil hat, dass man sich tatsächlich hinlegen kann, wenn auch aufgrund der sehr begrenzten Längenausdehnung nur in einer äußerst “embrional-gekrümmten” Liegeposition. Nachteilig bei diesen Plätzen ist allerdings, dass sie während der Fahrt nicht in normale Sitze umgewandelt werden können, man also die gesamte Fahrt ausschließlich nur liegend verbringen kann.

Service & Unterhaltung während der Fahrt:

Auf den mehrtägigen Strecken zwischen Russland und Deutschland ist meist eine Stewardess an Bord. Speisen und Getränke werden nicht angeboten, nur heisses Wasser um sich selbst einen mitgebrachten Tee zuzubereiten. Es muss also genügend Verpflegung mitgebracht werden. Um die Langeweile während der langen Fahrt etwas zu reduzieren, sind alle Busse mit einer Videoanlage ausgestattet, auf der ununterbrochen russische Spielfilme gezeigt werden. Und Langeweile kann insbesondere zwischen Stavropol und Moskau recht schnell auftreten, denn die Gegend ist durchgehend flach und weitestgehend eintönig:

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Immer wieder faszinierend sind aber die zahlreichen Straßenverkäufer entlang der Strecke, die Obst und Gemüse aus eigener Datscha oder kleinem Bauernhof anbieten. Wobei es aber keinem Busfahrer einfällt, da mal einen Stop einzulegen:

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Pausen:

Zwar hat jeder Bus auch eine Bordtoilette, aber wie die nach spätestens 24 Stunden aussieht, kann man sich wohl unschwer vorstellen. Jedoch sind Fahrtunterbrechungen um irgendwo auf eine Toilette zu gehen nicht allzu häufig, und sollte es unterwegs einen Stau oder eine Panne gegeben haben, dann interessiert es die Busfahrer nicht, ob ihre Fahrgäste auf die Toilette müssen oder etwas essen wollen, dann wird konsequent durchgefahren um den Fahrplan einzuhalten. Wenn alles normal verläuft, wird durchschnittlich alle vier Stunden eine Pause von ca. 20 Minuten gemacht. Was ausgesprochen knapp ist, wenn man auf die Toilette möchte und vielleicht 5 Minuten vorher schon ein anderer Reisebus da einen Stop eingelegt hat.

Wobei ausschließlich Raststätten angefahren werden, mit denen die Busfahrer oder das Busunternehmen irgend eine Art von Vereinbarung getroffen haben: Prozente an dem, was die Fahrgäste konsumieren, eigenes kostenfreies Essen / Getränke, was auch immer. Was zur Folge hat, dass die angefahrenen Raststätten meist irend welche schäbigen Buden sind, die sich auf derartige Arrangements einlassen und noch nicht mal minimalen Anforderungen hinsichtlich Verpflegung oder Toiletten genügen. Gerade bei den Toiletten unterwegs kann es durchaus vorkommen, unterwegs nur mit Plumpsklos konfrontiert zu werden. Wer da Probleme mit hat, dem sei eindringlich empfohlen, auf so eine Fahrt zu verzichten, oder durch die Einnahme von Tabletten gegen Durchfall die Notwendigkeit eines “größeren Geschäfts” bis zum Ende der Fahrt hinaus zögern zu können. Unbedingt mitzunehmen ist Toilettenpapier. Ebenso aufgrund der fehlenden Waschmöglichkeiten die Mitnahme von Reinigungs- bzw. Erfrischungstüchern.

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Typischer Haltepunkt unterwegs

Natürlich gibt es entlang der Strecke durchaus komfortable Raststätten, wo man brauchbar essen kann, die Toiletten sauber sind, und man sich wohl fühlt. Nur werden keine von denen angefahren aufgrund der Kontrakte zwischen Busfahrern / Busunternehmen und den kleinen Suddel-Buden. Augenscheinlich lassen sich die Top-Raststätten nicht auf derartige Kontrakte ein.

Gepäck:

Offiziell 20 kg, gewogen wird aber nichts. Andererseits werden, wie man in russischen Foren liest, zunehmend Gebühren für das Gepäck verlangt, insbesondere wenn mehr als ein Koffer/Reisetasche im Gepäckraum verstaut werden soll. Wie bei Bahnfahrten, wird auch bei Busfahrten das Gepäck dreigeteilt: Einmal die Koffer bzw. Reisetaschen mit sämtlichen Gepäck, welches nicht während der Fahrt benötigt wird, und im Gepäckraum des Busses verstaut wird. Dann eine kleinere Tasche als Handgepäck, die mit in den Bus genommen wird und alle Utensilien enthält, die man unterwegs braucht: Garderobe zum Wechseln, Waschzeug, was auch immer. Und zu guter letzt natürlich die Tasche mit der gesamten Verpflegung für unterwegs. Im Gegensatz zu Bahnfahrten sind die Möglichkeiten, sind unterwegs an Haltestationen versorgen zu können, aus o.a. Gründen eher etwas eingeschränkt. Weswegen man unbedingt genügend Verpflegung für die gesamte Fahrt mitnehmen sollte.

Um möglichen Terroranschlägen vorzubeugen wird in Stavropol immer häufiger das Gepäck bei Miliz-Kontrollen untersucht bzw. die Zugehörigkeit eines Gepäckstückes zu einem Fahrgast untersucht.

 

Fazit:

Entweder man mag derartig lange Busfahrten, oder man hasst sie. Ein Mittelding gibt es nicht. Zweifelsfrei sind Fahrten mit dem Bus konkurrenzlos günstig. Auch ist man mit dem Bus erheblich schneller unterwegs als mit der Bahn, egal ob auf den Strecken Stavropol-Moskau oder im internationalen Reiseverkehr. Auf alle Fälle ist es ein Abenteuer, was man zumindest einmal ausprobiert haben sollte.

 

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