Reiseinfos Nordkaukasus

Tourismus allgemein:

Zu den touristisch am weitesten erschlossenen Gebieten gehören die Regionen Elbrus, Dombai sowie Adigya. Wobei sich der dortige Tourismus fast ausschließlich nur auf Reisende aus Russland beschränkt, internationale Reisende bilden eher eine Ausnahme. Was man auch daran erkennen kann, dass sich im “internationalen” Web so gut wie keine Webpages von Hotels in den Regionen finden. Ausgenommen, man verwendet bei der Eingabe in den Suchmaschinen die jeweils russische Schreibweise in natürlich kyrillischer Schrift. Soweit man nicht Bekannte vor Ort hat, die einem ein Hotel empfehlen bzw. eine Buchung dort vornehmen zu können, ist es empfehlenswert, sich für die Auswahl und Buchung an ein hiesiges “russisches” Reisebüro zu wenden.

Über eines aber muss man sich im Klaren sein: wer auch nur andeutungsweise glaubt, dass die dortigen touristisch erschlossenen Gebiete sich ähnlich zeigen wie der Tourismus in den Alpen, wird bitterlich enttäuscht. Die Anzahl der Hotels ist marginal, und die wenigen vorhandenen strotzen nur vor Hässlichkeit. Letzteres muss leider auch auf die Orte an sich übertragen werden: stylistische Bausünden, wo die Gebäudefassaden drei bis vier unterschiedliche Stilrichtungen aufweisen, sowie etliche Bauruinen geben sich ein trautes Stelldichein. Das ein vielleicht optisch wirklich schmuck aussehendes kleines Hotel rechts und links von fürchterlichen Bauruinen oder leer stehenden Gebäuden eingerahmt wird, ist nicht die Ausnahme sondern eher die Regel. Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten sind eher marginal, beeinflusst durch ausgeprägtes Konkurrenzkampf untereinander. Der in der Vergangenheit zu so manchem “warmen Abriss” führte. Da Bilder mehr als Worte sagen:

Ebenfalls nur marginal vorhanden sind Fremdsprachenkenntnisse beim dortigen Personal, egal ob Hotel, Geschäfte, wo auch immer. Andererseits sind die Menschen dort immer wieder überrascht, wenn ihnen auf einmal nicht nur ein ausländischer Tourist, sondern sogar noch ein “leibhafiger” Deutscher gegenüber steht, und sie bemühen sich, fehlende Sprachkenntnisse durch aufrichtige Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft auszugleichen.

Ausgesprochen positiv sind dagegen die Möglichkeiten für Wintersport, am Elbrus gibt es auch ausgedehnte Möglichkeiten für Sommerski.

Allgemeine Reiseinfos:

Zusätzlich zu den weiter unten beschriebenen Reiseinfos speziell für den Nordkaukasus sind natürlich die allgemeinen Einreisebestimmungen und Reiseinfos für Reisen nach Russland zu beachten:

Anreise:

Je nach beabsichtigtem Reiseziel erfolgt die Anreise entweder über den Flughafen Stavropol (für den Dombai) oder Mineralnye-Vody (für den Elbrus). Wer genügend Zeit zur Verfügung hat, kann natürlich auch mit dem Zug dahin fahren, wobei sich für Reisen zum Elbrus die südlich von Mineralnye-Vody gelegene Kurstadt Kislovodsk als Endstation empfiehlt.

Weiterreise zu Elbrus / Dombai / Adigya:

Von Individualreisen völlig auf eigene Faust zu fahren ist ohne ausreichende Sprachkenntnisse und Kenntnisse über lokale Transportmöglichkeiten abzuraten. Zumindest sollte man von einem Einheimschen begleitet werden, der einen in Problemsituationen (Behörden, Miliz etc.) unterstützen kann.

Allgemein erfolgt für Touristen die Weiterreise von den Flughäfen zu den beabsichtigten Reisezielen mittels organisierter Reisegruppen. Natürlich kann man auch selbst per PKW zu seinem Reiseziel fahren, nur wird es für Individualreisende höchst schwierig sein, einen Mietwagen auftreiben zu können, denn im gesamten Nordkaukasus sind aktuell keine internationalen Mietwagenfirmen ansässig.

Eine durchaus interessante Alternative ist es, von Stavropol bzw. Mineralnye-Vody mittels einer lokal angebotenen Reisebustour weiterzufahren. Derartige Kurzreisen werden überall da unten angeboten, sind ausgesprochen preisgünstig, und beinhalten die Fahrt und Übernachtung vor Ort in einem einfachen Hotel. Allerdings erfolgen diese Fahrten häufig in alten und innen recht beengten, mehr oder weniger kleinen Reisebussen. Auch gibt es definitiv keine Möglichkeit, derartige Fahrten von zuhause aus online buchen zu können, dass geht ausschließlich nur direkt bei den Reiseunternehmen bzw. Reisebüros vor Ort, was zudem unbedingt durch einen Einheimischen erfolgen sollte. Auch können die Fahrten an sich aufgrund höchst beengter Platzverhältnisse in den Bussen nicht wirklich als komfortabel bezeichnet werden. und russische Sprachkenntnisse sind absolut notwendig. Aber es ist eine spannende Angelegenheit und lernt während der Fahrt interessante Menschen kennen. Am wichtigsten ist aber, dass man bei derartigen Fahrten meist von lästigen Ausweiskontrollen verschont bleibt, da derartige Touren ausschließlich (und sehr gerne und häufig) nur von Einheimischen gebucht werden. Kein Polizisten im Nordkaukasus käme im Traum auf den Gedanken, dass in so einem Reisebus ein ausländischer Tourist sitzen könnte. Wenn Kontrollen überhaupt stattfinden, dann an den Grenzübergängen zwischen den innerrussischen Regionen vom Stavropol-Kray nach Karbadino-Balkaria oder Adigya.

Allgemeine Ausweise / Reisedokumente:

Was für eine Reise nach Russland allgemein an Ausweisen und Reisedokumenten notwendig ist, ist im Detail hier beschrieben:

Zusätzlich sind für Fahrten in die Gebirgsregionen des Kaukasus folgende Dokumente notwendig:

Voucher:

Unbedingt mit vollständiger Angabe sämtlicher Orte, an denen man sich aufzuhalten beabsichtigt. Die Unterstützung eines darauf spezialisierten Visumdienstes wird dafür unbedingt empfohlen.

Registrierungsnachweis:

Hat man schon vor der Reise ins Gebirge aus was für gründen auch immer irgendwo im Stavropol-Kray übernachtet, z.B. in Stavropol oder Min-Vody, weil eine Weiterreise erst am darauf folgenden Tag möglich ist, unbedingt sich schon dort registrieren lassen, auch wenn es sich nur um eine Übernachtung handelt und eine Registrierung offiziell ja erst ab dem 5. Tag gefordert ist. Im Kaukasus gehen die Uhren anders, und die dortige Polizei interessieren derartige Regelungen nicht. Soll es direkt vom Flughafen aus weiter ins Gebirge gehen, so ist empfehlenswert sich, falls möglich, schon im Flughafen registrieren zu lassen.

Hat man bis zur Ankunft im Gebirge keinerlei Möglichkeit, sich irgendwo registrieren zu lassen, unbedingt schon vor der Reise abklären, ob das Hotel, wo man übernachtet, Registrierungen vornimmt. Falls nicht, oder falls man z.B. irgendwo privat übernachtet, kann die Sache kompliziert werden. In der Elbrus-Region z.B. können Registrierungen dann nur bei der OVIR in Tyrnyauz vorgenommen werden, was ohne weiteres einen Tag Zeitverlust bedeutet.

Aufgrund der zahlreichen einheimischen Touristen, und da heutzutage ein ausländischer Tourist nicht unbedingt mehr sofort als Ausländer erkannt wird, bleibt man von Ausweiskontrollen in den reinen Touristenregionen meist verschont. Aber wenn man sich in die Seitentäler begibt, und auch bei den innerrussischen Grenzübergängen von und zum Stavropol-Kray muss mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Ausweiskontrollen gerechnet werden.

Border Zone Permission:

Für den Aufenthalt in grenznahen Seitentälern zu Georgien etc., z.B. die Täler südlich des Baksan-Tales (Adyl-Su, Adyr-Su), ist zusätzlich zum Voucher und der Registrierung eine spezielle Genehmigung, eine “Border Zone Permission” erforderlich. Sie ist nur in Nalchik erhältlich und die Ausstellung kann ohne weiteres einen ganzen Tag dauern. Ohne Border-Permit kann es durchaus passieren, dass man verhaftet und zur nächsten Polizeistation transportiert wird. Der Aufwand, dann da wieder raus zu kommen, ist um einiges größer als der Aufwand, sich das permit zu besorgen.

Elbrus Area Preserve Permission (Elbrus-Besteigung-Permit):

Solange man sich nur im rein touristischen Bereichs des Elbrus aufhält, z.B. überall dort, wohin man per Seilbahn fahren kann, ist kein spezielles Dokument erforderlich. Ebenso nicht, falls man von Stationen, die mit einer Seilbahn erreicht werden können, Skilaufen betreiben möchte.

Anders sieht dies jedoch aus, falls man den Elbrus besteigen möchte. Hierfür ist ein spezielles Elbrus-Besteigungs-Permit (Elbrus Area Preserve Permission) notwendig, welches man vor Ort erhalten kann.

All diese Formalitäten erfordern einen hohen bürokratischen und vor allem zeitlichen Aufwand. Weswegen es unbedingt empfehlenswert ist, diesbezüglich  einen Partner vor Ort zu beauftragen, der einem all dieses soweit möglich vorab abnimmt. Soweit einem da nicht Bekannte vor Ort unterstützen können ist es ebenfalls sehr empfehlenswert, sich an ein auf Russlandreisen spezialisiertes (russisches) Reisebüro in Deutschland zu wenden.

Falls Probleme auftreten:

Grundsätzlich erstmal positiv denken und dabei die besondere Lage und Situation berücksichtigen, wo ihr euch wie auch der kontrollierende Polizist befindet: unweit von den Unruheherden in Tschtschenien wie auch zu Georgien hin. Sein Job ist es, Personen auf potentielle Risikofaktoren hin zu untersuchen. Wobei ihm zunächst schon aufgrund des Sicherheitsdenkens grundsätzlich auch die Unterstützung der einheimischen russischen Bevölkerung sicher ist. Nur ist es in Russland so, dass möglichst viele lokale einheimische Papiere mit möglichst vielen Stempeln erheblich mehr gelten als nur ein oller Reisepass mit einem von irgendeiner Botschaft eingetragenen Visumstempel. Insofern ist die Frage eines Polizisten nach entsprechenden Papieren und Dokumenten für die Region grundsätzlich keine Schikane, sondern sein Job. Er möchte ganz einfach nur einen Nachweis haben, dass die von ihm kontrollierte Person “sauber” ist, und es ist der Job der jeweiligen Behörden, die entsprechenden Nachweise mittels der vorgeschriebenen Dokumente erbringen zu können. Ein Polizist ist erstmal nicht in der Lage unterscheiden zu können, ob er einen nur bequemen Touristen vor sich hat, oder einen Sympathisanten von (aus seiner Sicht) lokalen Terroristennestern. Also haltet euch daran, besorgt den ganzen Krempel, egal wie ihr persönlich darüber denkt und welchen Aufwand es individuell auch bedeutet.

Andererseits ist es schon faszinierend wenn man im Web so liest, was einem alles bei Polizeikontrollen in Russland bzw. im Kaukasus widerfahren kann. In so einem Fall unbedingt alle Gespräche und Verhandlungen den russischen begleitern überlassen, die mit einem unterwegs sind. Ist man dagegen alleine unterwegs und man kommt in eine Polizeikontrolle mit sich anbahnenden Problemen: Alles ist “verhandelbar”. Zuallererst vergisst man sämtliche eventuell vorhandene Russischkenntnisse und verhält sich genau so, wie sich Ausländer umgekehrt in Deutschland in solchen Situationen verhalten: Man gibt mit Händen und Füßen zu verstehen, dass man kein Wort versteht. Wird man dennoch zur Zahlung einer Strafe aufgefordert immer sagen oder zu verstehen geben, dass man nicht so viel Geld bei sich hat, aber man zur nächsten Polizeistation gehen könne damit man von dort jemanden anrufen könne, der vorbei käme und die Sache bezahlt. Häufig erledigt sich die Angelegenheit dann von selbst da kaum ein Polizist die Lust hat, sich mit euch zu einer entfernten Polizeistation zu begeben um da den ganzen offiziellen Papierkrieg zu starten. Ausnahme: wenn man ohne Border-Permit unterwegs ist, da kennen die Jungs keinen Spaß. Wichtig ist auch, dass man unbedingt auf eine Quittung besteht. Manchmal bewirkt das echte Wunder...