Strassenverkehr

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Verkehr allgemein:

Halt typisch russisch :) Was bedeutet, immer etwas chaotisch, und grundsätzlich gilt nur das Recht des Stärkeren. Wobei der Begriff “Stärkerer” sich nicht unbedingt auf die Pferdestärken oder den Typ Auto bezieht, was gefahren wird. Wenn sich in einer engen Straße zwei Fahrzeuge frontal begegnen, dann gilt nach dem Aussteigen der Fahrer wirklich häufig nur das “Faustrecht”, was sich aber allgemein in Drohgebärden erschöpft.

Als Ausländer auf russischen Straßen sollte man grundsätzlich defensiv fahren, und notfalls auf Vorfahrtsrechte oder was auch immer verzichten.

Rote Ampeln:

Es wird davor abgebremst, aber dann sehr häufig über die Haltelinie bis in die Kreuzung hinein gefahren, um dann, wenn der Gegenverkehr steht (oder keiner da ist), über die Kreuzung zu fahren. Es muss deshalb bei leeren Kreuzungen und eigenem “Grün” immer damit gerechnet werden, dass jemand von der Seite auf die kreuzung fährt.

Diese sehr häufige Verhaltensweise des über die Haltelinie fahren birgt auch für Fußgänger, welche die Kreuzung queren wollen, ein ständiges Risiko. Wartet man allerdings als Fußgänger an einer Kreuzung trotz eigenem “Grün”, ob ein Wagen tatsächlich hält, kann dies vom Fahrer des Wagens so interpretiert werden, dass man als Fußgänger auf sein Vorgangsrecht verzichtet. Man darf also nicht zögerlich warten, sondern muss deutlich den Anschein erwecken, dass man die Kreuzung tatsächlich queren möchte. Stehen allerdings Kinder an der Kreuzung, so wird grundsätzlich immer vor der Ampel angehalten.

Zebrastreifen:

Vor zehn Jahren wurde jeder Zebrastreifen grundsätzlich ignoriert, man hatte sogar den Eindruck, dass die Autofahrer bei Ansicht eines über einen Zebrastreifen gehenden Fußgängers nochmal kräftig Gas geben. Das gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Es wird tatsächlich an Zebrastreifen angehalten, allerdings auch da nur, wenn man deutlich den Anschein erweckt, über die Straße gehen zu wollen. Indem man z.B. schon mit einem Fuß auf der Fahrbahn steht.

Straßen:

Sie werden langsam wirklich besser, zumindest innerhalb des Stadtgebietes. Deutlich erkennbar an den mit weit überhöhter Geschwindigkeit durch die Stadt rasenden Motorradfahrer. Noch vor fünf Jahren hätte der Überlebensinstinkt jedem Zweiradfahrer geboten, sich aufgrund der zahlreichen Schlaglöcher nur mit Schrittgeschwindigkeit vorwärts zu bewegen. Unabhängig davon, dass Motorradfahrer vor fünf Jahren noch eine sehr Ausnahme darstellten.

Radfahrer:

Vor zehn Jahren absolut unbekannt, bevölkern sie heute die Städte. Ebenso wie Radfahrer in Deutschland, scheinen auch russische Radfahrer ein geheimes Ausbildungstraining irgendwo im Yemen oder wo auch immer zu absolvieren, wo einem beigebracht wird, wie man brutal mit Höchstgeschwindigkeit durch öffentliche Parkanlagen fährt und Fußgänger sowie kleine Kinder zur Seite springen lässt. Andererseits dürfte es schwer fallen, überhaupt irgendwo in Russland einen Fahrradweg zu finden, und das Fahren auf normalen Straßen inmitten eines chaotischen Stadtverkehrs erfordert eine gesunde Mischung aus brutalität und Masochismus....

Bürgersteige:

Mir ist in all den Jahren, in denen ich nach Russland reise, nicht ganz klar geworden, ob man in Russland keine Bürgersteige bauen kann oder will. Ich vermute eine Mischung aus beidem. Sie waren und sind eine einzige Katastrophe. Einzige Ausnahme: in unmittelbarem Umfeld von Kirchen.

Autos:

Wie man auf dem obigen Photo sehen kann, besteht ein sehr hoher Anteil der Autos auf den Stavropoler Straßen aus ausländischer, insbesondere asiatischer Produktion. Auch würden wir schätzen, dass an die 70% der in Stavropol fahrenden Autos nicht älter als 5 Jahre sind.

Autos sind DAS Statussymbol schlechthin. Auf die von jedem, wirklich ohne Ausnahme von jedem an uns gestellte Frage „wie jung“ (nicht „wie alt“ !) unser Auto sei, wurde durchweg mit Verwunderung reagiert wenn wir antworteten, dass es sich dabei fast um einen Oldtimer handelt.

Autokauf läuft häufig über Kredit. Wir konnten einmal von unserer Wohnung in Stavropol aus beobachten, wie auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine Bank ein augenscheinlich nicht weiter bezahltes Auto einzog. War recht interessant... :)

Navi:

Mittlerweile gibt es sie, und sie sind augenscheinlich nicht schlecht. Auch sind sie, soweit ich das beobachten konnte, auch für Sprachunkundige logisch aufgebaut und recht schnell nachvollziehbar. Nur die Stimme der Ansagerinnen in russischen Navis war jedesmal gruselig-krächzend. Egal bei welcher Art von Navi.

Benzin:

Super um die 30 Rubel, ca. 75 Cent. Entspricht also ungefähr dem, was wir zum Ende der DM-Zeit Ende 2001 in Deutschland zahlen mussten. Für russische Einkommens-Verhältnisse relativ teuer. Weshalb sehr viele Autos auf Gas umgerüstet sind (Propan bzw. Butan, kein Erdgas). Der Kostenaufwand für eine Umrüstung soll nur ein paar hundert Euro betragen, wenn überhaupt. Erhebliche Unterschiede gibt es allerdings in der Qualität der Umrüstung, von einwandfreier Laufruhe bis ständigem Ruckeln habe ich alles erlebt. Hängt natürlich auch davon ab, ob ein Motor für eine Umrüstung überhaupt geeignet ist.

 

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